Haushalt verständlich erklärt

Ein kommunaler Haushalt besteht unter anderem aus dem Ergebnishaushalt und dem Finanzhaushalt.

Ergebnishaushalt

Der Ergebnishaushalt zeigt vereinfacht: Reichen die laufenden Erträge aus, um die laufenden Aufwendungen zu decken? Steht dort ein Fehlbetrag, sind die geplanten Aufwendungen höher als die geplanten Erträge.

Finanzhaushalt

Der Finanzhaushalt zeigt, welche Einnahmen und Ausgaben geplant sind sowie welcher Finanzierungs- oder Liquiditäsbedarf daraus entsteht.

Investitionen

Im Finanzhaushalt werden auch Investitionen abgebildet: größere Zukunftsaufgaben wie Straßen, Gebäude, Ausbauprojekte oder technische Infrastruktur. Diese können notwendig sein, auch wenn der laufende Haushalt bereits unter Druck steht. Reichen die eigenen Mittel nicht aus, müssen Investitionen teilweise über Kredite finanziert werden – und solche Kreditaufnahmen werden nicht automatisch genehmigt.

Transparenz heißt mehr als Veröffentlichung

Die Verbandsgemeinde Trier-Land macht ihre Haushaltsunterlagen öffentlich. Das ist wichtig und richtig. Ein umfangreicher Haushaltsplan als PDF bleibt für viele Menschen trotzdem schwer verständlich.

Transparenz bedeutet für mich deshalb mehr als die reine Veröffentlichung von Dokumenten. Informationen müssen auch so aufbereitet sein, dass Bürgerinnen und Bürger sie verstehen und einordnen können.

Dass das möglich ist, zeigt die Verbandsgemeinde Eisenberg (Pfalz). Dort werden Haushaltspläne und Jahresabschlüsse zusätzlich interaktiv und übersichtlich dargestellt. Das gilt nicht nur für die Verbandsgemeinde selbst, sondern auch für alle ihre verbandsangehörigen Gemeinden – die Stadt Eisenberg sowie die Gemeinden Kerzenheim und Ramsen. Bürgerinnen und Bürger können sich einen schnellen Überblick verschaffen und bei Bedarf einzelne Bereiche vertiefen.

Genau in diese Richtung sollten wir auch in Trier-Land denken: Haushalte nicht nur veröffentlichen, sondern verständlich, vergleichbar und nachvollziehbar darstellen – für die Verbandsgemeinde und für alle unsere Ortsgemeinden.

Klartext bedeutet für mich auch, öffentliche Zahlen so aufzubereiten, dass Menschen verstehen können, worüber entschieden wird.

Gebundene Ausgaben – und was bleibt noch zum Gestalten?

Christoph Biegel im Gespräch mit zwei weiteren Personen
Oft hört man: „Dann muss die Gemeinde eben sparen.“

Das klingt einfach, ist aber nur begrenzt möglich. Viele Ausgaben sind Pflicht oder kaum frei beeinflussbar:

– Umlagen an Verbandsgemeinde und Landkreis,
– gesetzlich gebundene Ausgaben,
– notwendige Unterhaltung von Gebäuden und Infrastruktur,
– Energie und Versicherungen,
– Zins und Tilgung,
– bestehende Verträge und Verpflichtungen.

Freiwilliger gestaltbar sind beispielsweise zusätzliche Vereinsförderung, Kulturangebote, Dorfverschönerung, freiwillige Zuschüsse oder besondere Projekte.

Genau hier liegt die Brisanz: Wenn Pflichtausgaben und Umlagen steigen, bleibt ausgerechnet für das immer weniger Geld, was unsere Dörfer lebendig macht.

Wenn Defizite ausgeglichen werden müssen, wird es konkret

Christoph Biegel im Gespräch mit zwei weiteren Personen

Wenn eine Ortsgemeinde dauerhaft mehr ausgibt, als sie einnimmt, bleiben nur wenige Stellschrauben: Ausgaben senken, Investitionen verschieben oder Einnahmen erhöhen.

Und dann wird es für die Menschen konkret. Zu den eigenen Steuerhebeln einer Ortsgemeinde gehören insbesondere die Grundsteuer B, die Gewerbesteuer und je nach Satzung die Hundesteuer.

Eine höhere Grundsteuer B trifft Eigentümer und kann über Nebenkosten auch Mieter belasten. Eine höhere Gewerbesteuer betrifft die Betriebe vor Ort. Eine höhere Hundesteuer trifft Hundehalter unmittelbar.

Das sind keine abstrakten Haushaltszahlen. Das ist Geld, das Menschen und Betriebe vor Ort bezahlen müssen.

Das Problem der Umlagen

Ortsgemeinden finanzieren nicht nur eigene Aufgaben. Sie zahlen auch Umlagen an die Verbandsgemeinde und den Landkreis.

Für die Verbandsgemeinde Trier-Land wurde die Verbandsgemeindeumlage für 2026 und 2027 auf 40,5 Prozent festgesetzt. Das Umlagesoll beträgt jeweils 10.916.623 Euro. Gleichzeitig weist der Verbandsgemeindehaushalt Jahresfehlbeträge von 1.492.747 Euro für 2026 und 1.681.974 Euro für 2027 aus.

Das zeigt: Auch die Verbandsgemeinde selbst steht unter finanziellem Druck. Gleichzeitig werden die Ortsgemeinden über die Umlage an ihrer Finanzierung beteiligt.

Christoph Biegel im Gespräch mit zwei weiteren Personen

Einige Beispiele zeigen die Herausforderung

Die folgenden Zahlen stammen aus öffentlich einsehbaren Haushaltsunterlagen und Bekanntmachungen. Sie dienen nicht dazu, einzelne Ortsgemeinden miteinander zu vergleichen oder ihnen schlechte Haushaltsführung vorzuwerfen. Sie zeigen unterschiedliche Formen derselben Herausforderung.

In Aach weist der Haushalt für 2026 einen Jahresfehlbetrag von 618.076 Euro aus, für 2027 sind es 350.359 Euro.

In Langsur mussten für 2025 außerplanmäßig 159.160 Euro für Kita-Kosten bereitgestellt werden. Diese Mittel waren zunächst nicht im Haushalt berücksichtigt.

In Ralingen waren für 2026 Investitionskredite von 9.262.250 Euro vorgesehen. Genehmigt wurde davon nur ein Teilbetrag von 13.550 Euro.

Auch Igel zeigt, dass geplante Investitionsfinanzierungen nicht selbstverständlich genehmigt werden: Für 2026 waren Investitionskredite von 1.290.950 Euro vorgesehen, genehmigt wurden 264.450 Euro.

Die Beispiele zeigen: Ortsgemeinden müssen laufende Belastungen, Pflichtausgaben und notwendige Investitionen gleichzeitig bewältigen. Gleichzeitig wird genauer geprüft, ob und in welchem Umfang Investitionen über Kredite finanziert werden können.

Mehr Einnahmen – nicht nur durch höhere Steuern

Die Antwort kann deshalb nicht allein darin bestehen, immer wieder Steuern zu erhöhen.

Kommunen können auch andere Möglichkeiten nutzen: Fördermittel, Pacht- und Mieteinnahmen, die sinnvolle Nutzung eigener Flächen und Gebäude sowie Energieprojekte.

Photovoltaik auf kommunalen Dächern, Beteiligungen an Wind- oder Solarprojekten oder Bürgerenergieprojekte können zusätzliche Einnahmen schaffen oder laufende Kosten senken. Nach § 6 EEG können betroffenen Gemeinden bei bestimmten Windenergie- und Freiflächenanlagen zudem finanzielle Beteiligungen angeboten werden.

Auch Nah- und Wärmenetze müssen dort geprüft werden, wo sie wirtschaftlich sinnvoll sein können. Nicht jedes Dorf eignet sich dafür. Aber bei passenden Strukturen können solche Lösungen langfristig Kosten stabilisieren und regionale Wertschöpfung ermöglichen.

Das sind keine schnellen Haushaltswunder. Aber sie zeigen: Vorausschauende Planung kann neue Einnahmen erschließen und laufende Kosten reduzieren.

Warum langfristige Investitionsplanung so wichtig ist!?

Genau deshalb ist eine langfristige Investitionsplanung ein zentraler Punkt meines Wahlprogramms.

Wenn Gemeinden erst reagieren, wenn ein Gebäude dringend saniert werden muss, eine Straße immer häufiger Schäden aufweist oder eine technische Anlage ausfällt, wird es meist teurer und der finanzielle Handlungsspielraum kleiner.

Gute Finanzpolitik beginnt früher.

Wir müssen vorausschauend wissen:

Welche Straßen, Gebäude, Feuerwehrhäuser oder technischen Anlagen benötigen wann Investitionen? Welche Maßnahmen können sinnvoll gebündelt werden? Wo bestehen Fördermöglichkeiten? Wo können Investitionen in Energie langfristig Kosten senken oder Einnahmen schaffen? Und welche Folgen hat es, wenn notwendige Maßnahmen immer wieder verschoben werden?

Nicht alles kann gleichzeitig umgesetzt werden. Aber die Menschen haben Anspruch darauf zu wissen, was notwendig ist, was finanzierbar ist und nach welchen Prioritäten entschieden wird.

Deshalb möchte ich auch eine verständliche Gesamtsicht aufbauen: Wie entwickeln sich die Haushalte der Verbandsgemeinde und ihrer Ortsgemeinden? Welche Investitionen stehen in den kommenden Jahren an? Wie entwickeln sich Investitionskredite und Liquiditätsverbindlichkeiten?

Nur mit einem solchen Gesamtblick können Entscheidungen langfristig geplant und nachvollziehbar erklärt werden.

Christoph Biegel im Gespräch mit zwei weiteren Personen

Wer bestellt, muss bezahlen!

Für mich gilt dabei ein klarer Grundsatz:

Wer bestellt, bezahlt!

Das Konnexitätsprinzip soll sicherstellen, dass neue kostenintensive Aufgaben nicht auf die kommunale Ebene übertragen werden, ohne die Finanzierung entsprechend zu regeln.

Politisch geht die Verantwortung für mich noch weiter: Wer auf Kreis-, Landes- oder Bundesebene neue Aufgaben, Standards oder Finanzierungsmodelle vorgibt, muss auch ehrlich sagen, wie diese dauerhaft bezahlt werden sollen.

Dafür werde ich Verantwortliche auf allen Ebenen klar ansprechen – unabhängig davon, welcher Partei sie angehören.

Denn unsere Ortsgemeinden dürfen nicht die letzte Ebene sein, bei der immer neue Rechnungen ankommen, während ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten immer kleiner werden.

Mein Fazit

Unsere Ortsgemeinden dürfen nicht zu reinen Zahlstellen werden.

Sie brauchen finanziellen Handlungsspielraum, um nicht nur Pflichtaufgaben abzuarbeiten, sondern ihre Dörfer weiterzuentwickeln.

Dafür brauchen wir langfristige Planung, nachvollziehbare Prioritäten und eine Haushaltstransparenz, die Menschen tatsächlich verstehen können.

Was ist Pflicht? Was ist freiwillig? Was müssen wir investieren? Was können wir uns leisten? Wer entscheidet – und wer bezahlt?

Haushaltsunterlagen zu veröffentlichen ist wichtig. Der nächste Schritt ist, die Zahlen so aufzubereiten, dass Bürgerinnen und Bürger die Zusammenhänge auch nachvollziehen können.

Unsere Ortsgemeinden sind das Fundament der kommunalen Demokratie. Wer dieses Fundament erhalten will, muss dafür sorgen, dass es finanziell tragfähig bleibt – und weiterhin Raum zum Gestalten hat.